15 Jahre blc – Das unsichtbare Terminologie-Problem

15 Jahre blc – Das unsichtbare Terminologie-Problem

Das erleben wir oft: Unsere Kunden glauben, die Schwachstellen in ihren Prozessen schon zu kennen – doch eigentlich liegen die Probleme ganz woanders (z. B. wenn Terminologie fehlt). Dafür sind wir da: Wir ermitteln als Prozesspolizei die wirklichen Schwachstellen – damit es nicht wie im Krimi endet.

Auf der tekom-Jahrestagung

„Mega Vortrag, echt sehr erhellend!“ Ich packe gerade mein Netzteil in die Tasche, als eine attraktive Blondine aus der letzten Reihe auf mich zukommt. „Oh, vielen Dank! Freut mich, dass Sie etwas mitnehmen konnten. Haben Sie denn selbst mit Begriffsnetzen zu tun?“ Ich nehme einen Schluck Wasser, nach einer Stunde Vortrag ist meine Kehle ganz trocken. Dann trete ich vom Podium herunter und linse dabei unauffällig auf das Namensschild der Dame: Frenzy Flieder, Technische Dokumentation, Fliedertechnik GmbH. „Nein, nein“, sagt sie. „Das ist für uns noch Zukunftsmusik. Da gibt es ganz andere Baustellen.“ Baustellen? Da werde ich hellhörig. „So? Was denn zum Beispiel?“

Klarer Fall: Terminologie fehlt

Sie kommt einen Schritt auf mich zu und schaut verschwörerisch nach rechts und links. Sind wir jetzt bei Alfred Hitchcock? Mit gesenkter Stimme raunt sie mir zu: „Ach, erstmal müssen die Übersetzungen passen. Wir müssen da ständig bei den Agenturen reklamieren. Die kriegen’s irgendwie nicht hin. Können Sie da zufällig gute Agenturen empfehlen?“ Ich ahne Schlimmes. „Hm, woran hapert’s denn genau?“

Wieder schaut sie um sich, als würde uns jemand beobachten, und flüstert beinahe: „Die Übersetzungen sind einfach falsch. Zum Beispiel benutzen die in mehreren Texten unterschiedliche Bezeichnungen für unsere Teile. Oder die verwenden nicht die richtigen Produktnamen und so. Wir bekommen da laufend Beschwerden aus den Märkten, die das dann mühsam korrigieren müssen. Nicht so schön.“ Ich löse mich aus ihrem Klammergriff und schließe die Zimmertür. Nicht, dass ich Angst hätte, aber die arme Frau scheinbar.  „Nee, das kann ich mir vorstellen, dass Sie das nervt“, antworte ich. Über uns setzt sich ein Schwarm Vögel auf die Dachfenster. Raben – ernsthaft? Der Raum verdunkelt sich.

Schuld sind (nicht) immer die Dienstleister

Ich räuspere mich. „Haben Sie den Übersetzern denn eine Liste mit den korrekten Produkt- und Teilebezeichnungen gegeben?“ Sie macht große Augen und sagt plötzlich gar nicht mehr leise sondern ziemlich barsch: „Nein. Aber ich erwarte eigentlich schon, dass die das nötige Fachwissen haben und nach einigen Texten von uns auch wissen, wie die Sachen heißen.“ Hab ich’s mir doch gedacht. „Aha. Wissen Sie, so eine Agentur bedient sehr viele Kunden mit tausenden Texten. Ich bin mir sicher, Ihre Agentur gibt ihr Bestes. Aber wenn Terminologie fehlt, wird’s schwierig. Oder könnten Sie mir jetzt aus dem Stehgreif die korrekte Bezeichnung all Ihrer Produkte und Teile nennen?“ Sie stöhnt und stemmt die Arme in die Seite. „Nein, natürlich nicht. Das sind ja Tausende.“

Eine Übersetzung ist immer nur so gut wie der Ausgangstext

Ich steige zurück aufs Podium und öffne eine Power-Point-Präsentation. „Kommen Sie ruhig hoch, ich möchte Ihnen eben etwas zeigen“, lade ich sie ein. Doch sie schüttelt vehement den Kopf: „Lieber nicht. Höhenangst. Ich sehe es ja von hier unten an der Wand.“ Ich verkneife mir ein Grinsen und bleibe professionell. Das wird ja immer interessanter! „Wenn Sie mich um eine Empfehlung bitten, rate ich Ihnen, Ihren Übersetzern erst einmal Ihre Firmenterminologie zur Hand zu geben. Dadurch wird sich schon einiges verbessern. Wenn die Qualität immer noch nicht stimmt, würde ich an Ihrer Stelle einmal schauen, was Ihre Autoren alles erstellen. Die werden sicher auch wissen, dass eine gemeinsame Terminologie fehlt. Oder benutzen sie alle dieselben Bezeichnungen?“ Sie verdreht die Augen. „Puh, keine Ahnung. Da kämpft jeder für sich. Die sind aber auch alle sehr verstreut bei uns.“ Ich klicke zu unserem innig geliebten Prozessschaubild.

Testmanagement: mehrsprachiger Informationsprozess

„Eine Übersetzung kann immer nur so gut sein wie der Ausgangstext. Wenn die Autoren zum Beispiel unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dasselbe Teil verwenden, denken die Übersetzer, es handelt sich um was anderes. Fehler im Ausgangstext pflanzen sich zwangsläufig in den Zieltext fort. Sehen Sie?“ Die Dame lenkt ein. „Aber wie soll ich die Autoren dazu kriegen, dieselben Bezeichnungen zu verwenden?“

Terminologie mit System

Ich klicke zur nächsten Folie. „Da hilft ein gut gepflegtes Terminologie-System. Die Autoren können dort nach dem Teil suchen und bekommen die richtige Bezeichnung angezeigt, samt Definition, Bildern und allem.“ Sie stöhnt genervt: „Das gibt doch nur wieder Gerangel, wenn einer eine andere Bezeichnung will.“ Klick. „Sie können dann sogar über das System miteinander über den angemessenen Term diskutieren, selbst wenn sie in alle Himmelrichtungen verstreut arbeiten.“ Der Blondine dreht der Kopf wie nach einer rasanten Karussellfahrt.

Die Effekte richtiger Terminologie spürt man an allen Stellen

„Hm. Aber ist das nicht irre teuer und aufwendig?“ Da ist sie, die Aufwand-Kosten-Keule, saust in hohem Bogen auf mich herunter. „Ich meine, wir haben ja nicht viel Budget. Lohnt sich das überhaupt? Und wer soll das machen? Wir haben doch gar nicht die Manpower.“ Eine nach der anderen kriege ich ab. Aber ich bin es ja gewohnt. Und zum Glück stehe ich nicht unter der Dusche. „Von nichts kommt nichts. Terminologie-Arbeit ist am Anfang tatsächlich ‚Arbeit‘, aber Sie können sich in kleinen Schritten vorantasten. Und wenn Sie Hilfe brauchen, unterstützen wir Sie gerne.“ Langsam verziehen sich die Raben, und es wird wieder hell.

„Sie werden die Effekte an allen Stellen spüren: Die Ausgangstexte werden sauberer. Ihre Kunden verstehen sofort, wovon die Rede ist. Und die Übersetzungen werden natürlich auch konsistenter, wenn Ihre Agentur nicht mehr im Dunkeln tappen muss, weil die richtige Terminologie fehlt.“ Die Gesichtszüge der Dame werden sanfter. Sie versteht, worauf ich hinaus will. „Teuer muss das Ganze nicht werden. Hängt natürlich davon ab, was Sie wollen. Später macht es Sinn, die Autoren durch eine Sprachqualitätsprüfung zu unterstützen. Und ganz viel später kann Ihre Terminologie sogar für Begriffsnetze verwendet werden.“ Sie lacht: „Das ist aber nun wirklich noch Zukunftsmusik.“ Puh, gerade noch (den Prozess und mich selbst) gerettet!

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