15 Jahre blc – Workshop Day

15 Jahre blc – Workshop Day

Nur wenig Projekte kommen ohne aus. Meist steht er als Kick-off am Anfang und als Abschluss am Ende. Er ist irre produktiv, intensiv und in den allermeisten Fällen auch erfolgreich. Sogar, wenn nicht alles nach Plan läuft. Und genau deshalb widme ich den nächsten Beitrag der Reihe ‚blc-Geschichten‘ unserem liebsten Zeitvertreib: Workshops.

Hot summer, hot room, hot workshop

Wir sitzen zu sechst bei gefühlten 45 Grad auf 15 Quadratmetern. Klimaanlage? Fehlanzeige. Fenster öffnen? Lieber nicht, dank Autobahn nebenan. Jetzt ist wohl Schwitzen angesagt. Meine Chefin reckt ihr Handy in die Luft. „Schlechter Empfang hier, oder?“ Unser Auftraggeber zuckt die Schultern. „Hier gibt’s weit und breit kein Netz. Aber ich kann Ihnen einen WLAN-Zugang besorgen.“ Sofort wird an die Assistentin delegiert. Ich krame schon mal unsere Backup-Videos raus. Vorbereitung is key!

Workshop olé!

Photo by You X Ventures on Unsplash

Trotz Hitze (und leider ohne WLAN, trotz netter Assistentin) workshoppe ich, was das Zeug hält. Es gilt, einen genialen Change Request auszuarbeiten, einen Allrounder quasi: Konkordanzsuchen über Translation Memorys aller Sprachen, automatisch generierbare Korrekturaufträge, ein Simply-Perfect-Status für Korrekturen, jeder falsche Artikel gehört ausgemerzt! Meine Wangen glühen und ich pappe vorbereitete Papier-Kreise an die Wand. Automatisiert. Bähm! Allübergeifend. Bähm! Eins Plus mit Sternchen. Bähm! „So, und dann muss das ganze natürlich auch agil sein und in der Cloud funktionieren, aber ohne den Datenschutz zu gefährden, of course!“ Doppel-Bähm!

Begeisterung? Nope.

Die Papier-Kreise segeln müde hinunter, weil Schweiß und Klebestreifen schlecht zusammenpassen, und die Begeisterung meiner ‚Audience‘ hält sich auch in Grenzen. Die Damen der Hersteller-Front werfen Bedenken ein, sprechen von kühnen Anforderungen, müsse man erst mal schauen, oh und Terminierung GANZ schwierig gerade. Unser Kunde zeigt durch Gähnen starken Sauerstoffmangel. Sein Kollege versucht mir zu folgen und nickt. „’s is g’nauso. So und ned anders braan mia’s!“ Der Chefin entgleitet ein ungezügeltes „Hä?“ Zeit für eine Pause.

Frauen-Power im Damen-WC

„Mein Gott ist das heiß da drinnen!“ Wir sammeln uns in der Damen-Toilette (ohne die Herren, versteht sich), stopfen Papierhandtücher unter die Arme und suchen am Wasserhahn vergebens nach kaltem Wasser.

„Also das mit dem Simply-Perfect-Status ist eine super Idee, toller Name auch, das kriegen wir ohne Probleme hin.“ Eine Hersteller-Frau reckt euphorisch den Daumen in die Luft. Die andere nicht: „Aber die Suche können’se vergessen, das dauert ewig bei der Datenmenge. Und dann noch in der Cloud. Pah!“ – „Wir wollen sogar noch mehr!“, ruft meine Chefin und verschränkt die Arme vor der Brust. „Wir wollen wissen, aus welchem Übersetzungsauftrag das Ergebnis stammt, aus welchem Ausgangsdokument und von welchem Übersetzer.“ – „Nein!“ – „Doch!“ – „Oooh!“

Ende gut, alles gut

Kaum zehn Minuten später haben wir eine solide CR-Basis auf dem Damenklo erarbeitet und kehren zu den hochroten Männer-Häuptern zurück. Dort finalisieren wir den CR mit den Kunden gemeinsam und diese stimmen unseren Vorschlägen sehr dankbar zu, im Grunde wollen sie alle aus dieser Sauna heraus. Am Ende sind wir durchgeschwitzt, aber glücklich – und ein erfolgreicher Workshop-Tag neigt sich dem Ende. „So gschofft! Noch oan Eiskaffä in da Cofeteria?“ Eiskaffee haben wir immerhin alle verstanden 🙂

Und damit ging dieser CR als Glorreicher CR vom Damenklo in unsere Firmengeschichte ein.

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