BDÜ-Konferenz 2019 in Bonn

BDÜ-Konferenz 2019 in Bonn

Der BDÜ – Bundesverband für Dolmetscher und Übersetzer – tagte vom 22. – 24.11.2019 im Bonner World Conference Center. Aber nicht nur der geschichtsträchtige Veranstaltungsort, sondern auch die Beiträge der BDÜ-Konferenz 2019 konnten sich sehen lassen! Unter dem Motto „Übersetzen und Dolmetschen 4.0 – Neue Wege im digitalen Zeitalter“ gab es ein buntes Programm zu Themen wie maschineller Übersetzung, Digitalisierung, Dolmetschen und den dazugehörigen Tools.

Was DeepL & Co. im Zeitalter von 4.0 (noch) nicht können

Mein Highlight war der Vortrag von Patrick Mustu, der demonstrierte, wie man DeepL mit den Eigenheiten der Rechtssprache in die Knie zwingen kann. Hier einige Beispiele:

  • DeepL „möchte“ um jeden Preis jedes Wort übersetzen. Dabei gibt es Wörter im Englischen, die wir auch im deutschen Sprachgebrauch unübersetzt verwenden, wie beispielsweise Compliance oder Whistleblower.
  • Das zwanghafte Übersetzen jedes einzelnen Wortes ist auch der Grund dafür, dass maschinell übersetzte Texte von der Länge her dem Ausgangstext sehr ähnlich sind. Nur ein menschlicher Fachübersetzer (idealerweise für Rechtssprache) kann hier die Transferleistung erbringen: Die Information aus dem Ausgangstext, der i.d.R. aus einem anderen Rechtssystem stammt, erfassen und eine möglichst zutreffende Umschreibung in der Zielsprache finden. Patrick Mustu hat DeepL gegen eine Übersetzerin antreten lassen mit folgendem Ergebnis:
Der Mensch ist im Gegensatz zu DeepL in der Lage, die Bedeutung des Ausgangstextes zu erfassen und in der Zielsprache neu zu formulieren. Beispiel von Patrick Mustu
  • Rechtstexte beinhalten häufig Ausdrücke aus dem Lateinischen. Mit solchen „Sprachmixen“ tut sich die maschinelle Übersetzung noch schwer:
Englisch gespickt mit Latein stellt für die NMÜ noch ein Problem dar. Beispiel von Patrick Mustu

Im Großen und Ganzen liefert DeepL erstaunlich gute Ergebnisse. Das wissen wir mittlerweile alle. Auch wenn diese Übersetzungen mit Vorsicht zu genießen sind, denn immer wieder können sich inhaltliche Fehler einschleichen, die man wegen der guten Grammatikkenntnisse von DeepL leicht übersieht. Herr Mustu hat uns in seinem sehr ansprechenden Vortrag weitere Grenzen von DeepL aufgezeigt.

Maschinelle Übersetzung in Unternehmen verfügbar machen

Darüber sprach Lousia Flavel in ihrem Vortrag „The 21st century translator’s quagmire – how to introduce machine translation without losing your job“. Die Nachfrage nach maschineller Übersetzung ist da. Und das merken wir auch bei blc. Unternehmen möchten maschinelle Übersetzung nutzen – sei es, um „mal eben“ per copy paste einen kurzen Text zu übersetzen, oder um den internen Übersetzungsworkflow zu beschleunigen. Kostenlose Systeme fallen hier durch das Raster der Informationssicherheit. Kostenpflichtige Dienste sind sicher und können auf die Unternehmenssprache trainiert werden. Das erfordert jedoch Know-How. Und wer verfügt über dieses Know-How? Die Übersetzer! Sie können sich als Sprachexperten aktiv und maßgeblich an solchen Implementierungen beteiligen.

Übersetzer können und sollten als Sprachexperten die Implementierung maschineller Übersetzung in ihrem Unternehmen mitgestalten

Der Mensch ist noch lange nicht obsolet

Ich finde, die BDÜ-Konferenz hat sehr schön gezeigt, dass der menschliche Übersetzer und auch Dolmetscher so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden werden. Sie müssen sich den neuen Technologien jedoch öffnen. Denn die maschinelle Übersetzung ist keine Lachpille mehr, wie dieser Blog so schön sagt.

Die Beiträge, die ich bei der BDÜ-Konferenz gesehen haben, beschäftigten sich alle mit der Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Das Fazit war auch wie bei der tekom schon: nicht Mensch oder Maschine, sondern Mensch UND Maschine. Gerade hochqualifizierte Fachübersetzer sind gefragt. Denn im Zweifel sind sie es, die die inhaltlichen Fehler, die der Maschine unterlaufen können, erkennen.

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