Mit Sprache durch die Tür der Kultur

Mit Sprache durch die Tür der Kultur

Wer von uns kennt nicht den Spruch: „Die Sprache ist der Schlüssel zu einer anderen Kultur“. Für jemanden wie mich, der zweisprachig und in mehreren Kulturkreisen aufgewachsen ist, kann diese Phrase kryptisch erscheinen. Der Aufmerksame wird jetzt einwerfen, dass Gestik auch ein Teil der Sprache ist. Das stimmt! In wie fern öffnet die Sprache also „Türen“?

Was eine Sprache wirklich ausmacht, wird häufig erst in Kulturkreisen deutlich, die sich sehr stark vom eigenen unterscheiden. In meinem Fall war das Japan, welches ich mehrmals besuchte und sogar ein einjähriges Forschungsaufenthalt absolvierte. Eine der ersten auffallenden sprachlichen Besonderheiten für mich waren nicht die Verbeugung oder der fast melodische Sprachrhythmus, sondern das ständige, bestätigende „mh“, welches in keinem japanischen Gespräch fehlen darf! Während wir im Deutschen eher genervt sind von einem penetranten „ja … mh…. mh… ja …“, bedeutet das Weglassen im Japanischen: Ich höre dir nicht zu!

Tür öffne dich!

Hat man Sprache und Gestik halbwegs gemeistert, kann man sich der Anerkennung in jeder Kultur sicher sein. Insbesondere in Japan kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: der Ausländerbonus. Ausländer werden hier zunächst einmal als „Barbaren“ wahrgenommen, die noch in die Kultur eingeführt werden müssen, sodass man ihnen besonders viel verzeiht und besonders viel erzählt. Das ist von unschätzbarem Wert, denn so erfährt man Details, die man sonst nicht erfahren würde. Mit diesem Ausländerbonus konnte ich mich z.B. mit Einheimischen über Themen, wie die Fukushima-Katastrophe, intensiv austauschen, da ich als Ausländer die nötige kulturelle Distanz habe. Und das ist im positiven Sinne zu verstehen. Während Japaner untereinander kaum über die Katastrophe reden, erklären sie einem Außenstehenden, warum darüber nicht geredet wird. Und das gibt viel Aufschluss über kulturelle Besonderheiten.

Dieses persönliche Beispiel soll stellvertretend für „türöffnende“ Eigenschaften von Sprachen stehen. Und genau deswegen beschäftige ich mich so gerne mit Sprache. Sie schafft Brücken, Verständnis und öffnet auch mal Türen!

Sprachkultur versus Sprachmathe

Hinter einer Übersetzung steckt häufig mehr als ein einfacher Übertrag von A nach B. Schon ein Wort kann im Grunde nie vollkommen äquivalent in eine andere Sprache übertragen werden, da sich schon aufgrund kultureller Einwirkungen die Bedeutung eines vermeintlich bekannten Wortes verschieben kann. Umso wichtiger ist es, diese Aspekte bei der Beratung von Sprachprozessen und bei der Massenbehandlung von Sprachdaten zu berücksichtigen.

Und genau das ist meine Mission bei blc: Mein Wissen um computerlinguistische und sprachkulturelle Phänomene in unsere Kundenprojekte einzubringen. Mehr darüber erzähle ich gerne in meinem nächsten Blog. Stay tuned.

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