TAPICC – Toolvernetzung als Open Source Projekt

Sollen Daten beispielsweise aus einem CMS oder Redaktionssystem per CAT-Tool oder per maschinellem Übersetzungsdienst lokalisiert werden, funktioniert dies nur über eine Reihe von Ex- und Importaktionen und erfordert u.U. auch zusätzlichen Bearbeitungsaufwand der zu übersetzenden Daten, wenn die Formate von Quell- und Zielprogramm nicht kompatibel sind.

Die TAPICC-Initiative (Translation Api Class and Cases) unter der Federführung von David Filip (ADAPT Centre, Trinity College Dublin), Klaus Fleischmann (Kaleidoscope GmbH) und Serge Gladkoff (Logrus Global LLC) setzt sich zum Ziel, den Anpassungsaufwand in solchen Übersetzungsprojekten zu minimieren und Übersetzungsdaten nebst Workflow-Informationen zwischen Systemen und Tools der Redaktions- und Übersetzungsbranche über eine einzige API (Programmierschnittstelle) austauschen zu können. Koordiniert wird das Projekt mit Unterstützung der Industrieinitiativen TAUS und LT-Innovate von GALA.

API

Abbildung 1: Für den Austausch von Übersetzungsdaten soll künftig nur noch eine API nötig sein

 

Ausweg aus dem Schnittstellen-Labyrinth?

Ausgehend von der misslichen Lage, dass (beinahe) jeder Anbieter eines TMS, CAT-Tools, CMS und Cloud-Dienstes eine eigens zugeschnittene API mit einem spezifischen Befehlssatz bereitstellt, um Entwicklern die Kommunikation mit der Anwendung zu ermöglichen, strebt das TAPICC-Projekt nicht weniger als die Definition eines umfassenden API-Standards für die Übersetzungsindustrie an. Dabei ist er nicht der erste Ansatz seiner Art: Das Linport-Projekt, TIPP (TMS Interchange Package Protocol), der Coti-Standard des DERCOM-Verbandes sowie das 2011 ins Leben gerufene TAUS API-Projekt widmen sich ihrerseits derselben Aufgabe, Standards für APIs und Austauschformate zu etablieren.

Mit dem im September 2016 initiierten Open Source Projekt soll nun der mittlerweile schon überfälligen Notwendigkeit entsprochen werden, der Vision einer zentralen Schnittstelle für den Datenaustausch zwischen Übersetzungsdienstleistern, Kunden und Toolherstellern eine Gestalt zu geben, die sich in der Branche durchsetzt. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht: Mit dem Koordinator GALA im Rücken haben sich neben einigen Toolherstellern auch Microsoft, SAP, Google, Mozilla und weitere Größen aus  der digitalen Welt mit ins Boot gesetzt.

Kernfunktionalitäten der API sollen sein:

  • Bereitstellung eines Basisprogramms für den Datenaustausch
  • Möglichkeit erweiterter proprietärer Funktionen
  • Unterstützung branchenüblicher Austauschformate, insbesondere XLIFF 2.0
  • Semantische Annotation von Übersetzungseinheiten (MT, Terminologie, etc.)
  • Layout-Repräsentation für Übersetzungseinheiten

Nächste Schritte und die TAPICC-Community

Auf der GALA Jahreskonferenz im März 2017 in Amsterdam sollen die Ansätze zur Vereinheitlichung  von Metadaten vorgestellt werden. Das Langzeitziel der Unternehmung besteht in der Übergabe der API-Spezifikation an OASIS, der Standardisierungsorganisation, die sich auch für das Open Document Format sowie den XLIFF-Standard verantwortlich zeichnet.

Anregungen zum Projekt und aktive Beiträge können prinzipiell von jedem Interessierten in der offenen GALA-Connect-Gruppe diskutiert werden. Aktuell verfügt die Gruppe zwar schon über mehr als 50 Mitglieder, ein reger Austausch im Sinne des Community-Gedankens des Projekts konnte bislang jedoch noch nicht in Gang gesetzt werden. Der aktuelle Projektstatus kann über den Twitter-Account von David Fillip verfolgt werden.

[twitter_buttons display=tweet,follow,]

Tags:

Related Posts