Vienna Calling – TAUS Roundtable 2017

Am 30.01.2017 fand der TAUS Roundtable im winterlichen Wien statt. Unter dem Motto ‚Game Changers in Localization‘ trafen Vertreter namhafter Unternehmen, Systemhersteller und Übersetzungsagenturen zusammen, um über die Zukunft der Übersetzungsindustrie zu sprechen. Kerstin Berns war als TAUS Repräsentantin für blc dabei und sagt Ihnen, wer alles da war, was besprochen wurde und wohin die Reise geht!

TAUS: The Future Of Translators Looks Bright (Again)
The Future Of Translators Looks Bright (Again)

Nach einer kurzen, Neugierde weckenden Eröffnung machte Jaap van der Meer (TAUS) die Bühne frei für Margaret Ann Dowling. Für Margaret, eine Veteranin des Digitalen Verlaggeschäfts, sind wir alle zu sehr von der Technologie getrieben, es sollte anders herum sein. Die Technologie sollte dem Menschen folgen und nicht umgekehrt, erklärte Dowling in Ihrer Eröffnungsrede ‚The Future of Translators Looks Bright (Again)‘.

Im Anschluss an diese spannende Eröffnung wurde das Thema Qualitätsevaluierung in der Übersetzung beleuchtet, sowohl theoretisch (Attila Görög, TAUS) als auch praktisch anhand von DQF-Integrationen in CAT-Tools, wie SDL Trados Studio und WorldServer (Massimo Ghislandi, SDL) oder XTM Cloud (Bob Willians, XTM). Katka Gasova (Moravia) erklärte in ihrem Beitrag, dass existierende Qualitätsmodelle zwar immer wieder in Frage gestellt werden, aber am Ende doch Sinn machen. Mitunter auch mangels Alternativen? Ein interessanter Gedankenanstoß ergab sich in der folgenden Panel-Diskussion (Katka Gasova, Moravia; Maria Illescas, SeproTec; Sien Accou, Yamagata Europe): Warum werden Übersetzer nicht belohnt, wenn sie wenig Fehler machen? Also warum dreht man das aktuell gängige ‚Bestrafungssystem‘ nicht einfach einmal um und spornt so zu besseren Leistungen an?

Neuronale Netze für MÜ
Neuronale Netze für MÜ

Nach der Mittagspause ging es mit dem Thema Neuronale Maschinelle Übersetzung weiter. So ging Jean Senellart (Systran) mit der aktuellen neuronalen Systran-Version in die Vollen. Er zeigte begeistert den Stand der Forschung bei Systran und erklärte, was die nächsten Schritte sein werden. Interessant: Systran NMT öffnet sich und geht mit OpenNMT den Weg des ‚Open Source Programming‘ – „Come and join the fun“! Im Anschluss gab Tony O’Dowd (KantanMT) einen Überblick über die neusten Entwicklungen aus der KantanMT-Schmiede. Auch hier ist Neurale MÜ ein zentrales Thema, allerdings wird es noch ein Weilchen dauern, bis es der etablierten statistischen maschinellen Übersetzungsengine den Rang abläuft, so O’Dowd. Denn eines darf nicht vergessen werden: Aufgrund der erforderlichen, sehr teuren GPU-Leistung und langen Trainingszeiten ist die NMÜ für den Endkunden noch nicht pragmatisch einsetzbar.

Als Brückenschlag von der Theorie zur Praxis berichtete ich im Anschluss von einem unserer Kundenprojekte zum Einsatz maschineller Übersetzung, ‚How to get Machine Translation into your Company – A Use-Case‘. Quintessenz für unsere Kunden ist ganz klar: Die MÜ-Technologie ist zweitrangig, der Nutzen steht im Vordergrund. Logisch, denn unsere Kunden haben keine Zeit für langwierige Piloten und Forschungszyklen. Was hier läuft, muss funktionieren – und sicher sein! Wenn dabei noch so ganz nebenbei Erkenntnisse zum Einsatz von MÜ in anderen Bereichen gewonnen werden können, umso besser. Klar ist auch: Für Unternehmen, die international aufgestellt sind und ihre Produkte zeitnah in allen Ländern anbieten müssen, gibt es keine Alternativen mehr zur Maschinellen Übersetzung.

Abschließend stellte Marek Piorkowski (Text United) seine Übersetzungsplattform vor, die vor allem mit dem ‚Ausschalten‘ des Mittelmanns, der Agentur, wirbt: Die direkte Verbindung von Übersetzern mit Auftraggebern soll administrative Kosten vermeiden und den Prozess beschleunigen. Text United richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. Das Konzept wurde von den anwesenden Agenturen naturgemäß mit gemischten Gefühlen beäugt ;-).

Nach einer kurzen aber spannenden Diskussion ging ein langer Tag zu Ende. Freundlicherweise hatte Moravia alle Teilnehmer noch zu einem köstlichen Abendessen eingeladen, sodass wir gemeinsam die Themen Revue passieren lassen konnten – bei leckerem Wiener Schnitzel!

Küss die Hand Moravia, TAUS und Wien! Ich komme gerne wieder!

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