Abtönungspartikeln im Deutschen und Französischen

Der Wortschatz der deutschen Sprache zählt 300.000 bis 500.000 Wörter, von denen wir allerdings nur um die Tausend im Alltag gebrauchen. Einige davon sind vor allem ein Charakteristikum der gesprochenen Sprache und erfüllen eine wesentliche Funktion. Die Rede ist von Partikeln.

Was sind eigentlich Partikeln?

Diese Wortart erfüllt unterschiedliche Funktionen innerhalb der gesprochenen Sprache: Sie gliedert zum Beispiel Gespräche (Gesprächspartikeln), markiert die Intensität (Intensitätspartikeln) oder negiert schlichtweg Aussagen (Negationspartikeln).

Es gibt aber weitere Partikeln, die eine Aussage abtönen können, sogenannte Modal- bzw. Abtönungspartikeln. Sie stellen die Einstellung des Sprechers zum Gesagten dar, wobei sie nicht den Kern der Aussage verändern, sondern die Wertung des Sprechers hinzufügen.

Abtönungspartikeln im Deutschen

Besonders spannend ist es, Vorkommen und Verwendung von Abtönungspartikeln im Vergleich zu anderen Sprachen zu betrachten. Hier liegt die deutsche Sprache ganz weit vorn, man könnte fast von einem „Abtönungsmonopol“ der deutschen Sprache sprechen, denn keine andere Sprechergemeinschaft nuanciert ihre Aussagen derart mithilfe von Abtönungspartikeln, wie die deutsche.

An folgenden Beispiel-Aussagen, mit und ohne Abtönungspartikel, kann diese Annahme veranschaulicht werden:

(1)    „Das ist ein Weinchen!“

(1a)  „Das ist aber ein Weinchen!“

(2)    „Das ist kein Wunder!“

(2a)  „Das ist ja auch kein Wunder!“

A la recherche de la particule modale perdue

Natürlich spielen bei gesprochener Sprache auch Intonation, Gestik und Mimik des Sprechers eine Rolle, allerdings kann durch die Verwendung von Abtönungspartikeln, gesprochene Sprache auch schriftlich besser rezipiert werden.

Anders als im Französischen, wo nur sehr wenige Abtönungspartikeln zur Verfügung stehen (z. B. donc, alors, quoi, peut-être) und deshalb auf andere Mittel zur Abtönung zurückgegriffen werden muss, wie zum Beispiel: Intonation, Interjektion und mise en relief (Hervorhebung von einzelnen Wörtern oder Satzteilen).

(1b) “Qu’est-ce qu’il est bon, ce vin!”

(2b) “Ça alors, ce n’est pas étonnant!”
…aber auch häufig: „En même temps, ce n’est pas étonnant!“

Fazit

Die Übersetzung ins Französische zeigt, dass zur Abtönung in beiden Beispielen keine äquivalenten Abtönungspartikeln genutzt werden, sondern vor allem auf mise en relief zurückgegriffen wird, indem die hervorzuhebenden Satzteile durch Kommata abgetrennt werden.

Und wie macht das eigentlich die Maschinelle Übersetzung?

Aber was bedeutet das für die Übersetzungspraxis, wenn es keine äquivalente Palette an Abtönungspartikeln gibt? Kann man die problematische Übersetzbarkeit deutscher Abtönungspartikeln einzig durch mise en relief, Intonation und Interjektion umgehen? Und wie gehen Maschinelle Übersetzung, Chatbots, Natural Language Understanding und Natural Language Processing damit um?

Sollten Sie diese Fragen genauso beschäftigen wie mich, dann stöbern Sie doch gerne in unseren früheren Blog-Beiträgen zu den Themen NLP und Maschinelle Übersetzung.

Für alle tiefergehenden Fragen zu Chatbots steht Ihnen unser Experten Christian Eisold mit Rat und Tat zur Verfügung.

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Beitragsbild von Nicolas Gras auf Unsplash.

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