Terminologie im Kontext: Erstellen von Begriffssystemen

Terminologie im Kontext: Erstellen von Begriffssystemen

Auf der ETUG 2019 in Düsseldorf habe ich erzählt, wie man eine Concept Map in SDL MultiTerm Workflow aka quickTerm baut. Wo fängt man an, wann ist man „fertig“ und wozu eigentlich das Ganze? Wer auf der ETUG nicht dabei sein konnte, bekommt hier noch einmal ein Update: Welche Mehrwerte bietet die ganzheitliche Erfassung von Terminologie in Begriffssystemen?

Die Vorteile von Begriffssystemen

Beim „Leben ohne Begriffssysteme“ treten fast unvermeidbar immer wieder die gleichen Probleme auf: Die Terminologie ist veraltet, es gibt zu viele Dubletten in der Terminologiedatenbank, die verwendete Terminologie ist uneinheitlich und fehlerhaft.

Begriffssysteme (oder Concept Maps) können hier Abhilfe schaffen, indem sie die Terminologie in den Gesamtzusammenhang setzen. Durch die ganzheitliche Betrachtung eines Begriffsfelds können vorhandene Begriffe sortiert, voneinander abgegrenzt und eindeutig definiert werden. Auch der Zugriff auf Terminologie (und damit auf das Unternehmenswissen) verbessert sich, indem die Nutzer durch das Begriffssystem navigieren können.

(1) Begriffssystem in quickTerm

Erstellung von Begriffssystemen: Ein Use Case

Wie fängt man an, wenn man ein Begriffssystem erstellen möchte? Eine gute Gelegenheit ist die Entwicklung eines neuen Produkts, zu dem  zahlreiche neue Dokumentationen in der Pipeline stehen. Nutzen Sie die Chance, die neuen Dokumentationen auf einer recherchierten und einheitlichen Terminologie aufzubauen. Dafür erarbeitet der Terminologe vor Ausgangstexterstellung ein Begriffssystem. Ein Beispiel ist das autonome Fahren, bei dem verschiedene Fahrassistenzsysteme für (größere oder kleinere) Autonomie beim Fahren sorgen. Hier gibt es viele neue (Weiter-)Entwicklungen, über die viel in allen Unternehmensbereichen geschrieben wird. Beim Sortieren hilft die systematische Erfassung, z. B. in einer Concept Map in quickTerm.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für Begriffssysteme

Wie geht man nun also vor, wenn man ein Begriffssystem, etwa zum Begriffsfeld „autonomes Fahren“, erstellen möchte?

  1. Festlegen des Begriffsfelds: Erst einmal fassen Sie zusammen, was es in Ihrem Unternehmen schon zum Thema autonomes Fahren gibt. Welche Fahrassistenzsysteme wurden beschrieben, für welche Abteilungen ist das Thema relevant, welche Begriffe kursieren bisher? Auf dieser Basis wird der Umfang des Begriffssystem bestimmt. Damit der Terminologe sich nicht in endlosen Begriffsbeziehungen verliert, ist es wichtig, das Thema klar abzustecken.
  2. Strukturierung des Begriffsfelds: Im nächsten Schritt entscheiden Sie, welche Klassifizierungen für Ihr Begriffssystem relevant sind. Beim autonomen Fahren steht hier an erster Stelle die Einteilung der Fahrassistenzsysteme nach Level der Automatisierung: von Unterstützung beim Lenken / Beschleunigen bis hin zur Übernahme aller Fahrfunktionen, fast komplett ohne Eingriff des Fahrers.
  3. Sortieren des Begriffsfelds: Nun können die einzelnen Begriffe den Oberbegriffen aus Schritt 2 zugeteilt werden. Welches Fahrassistenzsystem ist welchem Autonomisierungslevel zuzuordnen? Welche Teile und Funktionen gehören zu welchen Fahrassistenzsystemen?
  4. Begriffssystem bauen: Wenn alle Informationen gesammelt und strukturiert sind, kann das Begriffssystem erstellt werden. Dafür sind zuerst Beziehungstypen zu definieren: Für autonomes Fahren gehören dazu beispielsweise „ist ein“, „Teil von“, „Funktion von“, „Level von“ und weitere. Anschließend werden im System (z. B. in quickTerm) die relevanten Begriffe in die Concept Map gezogen. Die Linien, die die Beziehungstypen repräsentieren, verbinden die einzelnen Begriffe.
(2) Prozess Erstellung Begriffssystem

Fazit: Optimiertes Wissensmanagement mit Begriffssystemen

Was haben wir mit der Erstellung eines Begriffssystems gewonnen? Die Fahrassistenzsysteme sind sortiert und klar definiert. Die Nutzer können durch Navigieren im Begriffssystem leichter den Begriff finden, den sie beschreiben wollen. Dadurch wird eine einheitliche Terminologieverwendung unterstützt. Das Wissen, das im Begriffssystem erarbeitet wurde, lässt sich nicht nur bei der Erstellung von Ausgangstexten und Übersetzungen nutzen, sondern kann als Basis für das gesamte Wissensmanagement in der Firma dienen.

Wenn Sie Beratung oder terminologische Unterstützung bei der Erstellung von Begriffssystemen brauchen, kontaktieren Sie uns gerne!


Beitragsbild: Screenshot aus i-views.

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