„Eine denkwürdige Erfahrung bereichert Dein Leben“

Haben Sie heute Heißhunger auf ein bisschen Glück und Weisheit? Dann verbringen Sie doch Ihre wohlverdiente Mittagspause beim Chinesen nebenan und finden am Ende ein bisschen Glück. Doch aufgepasst! Nicht alle Glückskekse entsprechen den vorfreudigen Erwartungen und versprechen: „Sie werden häuslichen Frieden, finanzielle Sicherheit und Gesundheit genießen.“

Wenn sich also alle Kollegen über optimistische Neuigkeiten freuen und Sie mit einer tiefgründigen Lebensweisheit à la: „Wenn der Brunnen trocken ist, schätzt man erst das Wasser.“ beglückt wurden, gibt es immerhin eine Sache, die bei Glückskeksen nie enttäuscht – die dürftige Wortgewandtheit der Übersetzungen.

Die Verwirrung zum Nachtisch – oder der neue Sinn der Glückskekse

Eigentlich ist niemand abergläubisch, doch irgendwie wünscht sich jeder den perfekten Spruch. Manche, so auch mein Kollege, bekommen Frieden, Geld und Gesundheit versprochen. Anderen wird eine Weisheit aufgetischt, die zum Nachdenken anregt. Doch scheint es, als läge die ursprüngliche Spannung nicht mehr im Glück selbst, sondern in seiner Übersetzung.

Ob kleine Rechtschreibfehler, wie „Lassen Sie Zweifel und Mißtrauen nicht Ihren Erfolg trüben.“, die entweder besagen, dass der Keks schon vor 1996 produziert wurde, oder dass die deutsche Rechtschreibreform noch nicht in jeder Übersetzungssoftware beachtet wird.

Your patience pays!

Oder ein aus dem Nichts auftauchender Satz: „Your patience pays!“„Sie hatten den längeren Atem! Jetzt zahlt sich Ihre Geduld aus.“ Vielleicht wusste der Übersetzer, dass wir Deutsche es gerne ausführlicher mögen und den einzelnen Satz „Ihre Geduld zahlt sich jetzt aus!“ einfach nicht verstehen würden. Bis hin zu völlig konfusen Übersetzungen: „Trust in your friends.“„Freunde sind wie Bohnen, sie sprechen hinten.“ Danach ist der glückliche Empfänger dieser Nachricht verwirrter als vor dem Essen und es stellt sich nun die Frage: Soll ich meinen Freunden nun vertrauen, oder nicht?

Sie hatten den längeren Atem!

Die ulkigen Ungereimtheiten tauchen jedoch auch ein wenig versteckter auf, was dieses Beispiel zeigt: „A strange experience enriches your life.“ Bevor Sie jetzt weiterlesen und sich die deutsche Übersetzung ansehen, übersetzen Sie den Satz erst für sich selbst. Fertig? Gut, dann hier die Übersetzung im Glückskeks: „Eine denkwürdige Erfahrung bereichert Dein Leben.“ Es klingt nicht völlig abwegig, aber haben Sie während Ihres persönlichen Übersetzungsprozesses auch nur einmal an das Wort „denkwürdig“ gedacht? Es ähnelt dem Wort „merkwürdig“ schon sehr, das muss man dem Übersetzer zugute halten, aber bedeutet es doch etwas völlig anderes.

Glücklicherweise sind wir alle fit im Englischen und verstehen auch den Originaltext. Was ich mich jedoch während dieses Artikels frage, wie viel haben wohl die Chinesen zu lachen, wenn sie Glückskekse öffnen, deren Inhalt von Chinesisch zu Deutsch übersetzt wurde.

Daher habe ich auch dazu recherchiert und bin auf eine weitere, sehr unglaubliche Übersetzung gestoßen. Auf Chinesisch stand da: „Nichts bleibt lange verloren.“ Schön soweit, macht doch Mut dieser Spruch. Doch können nicht viele Deutsche Chinesisch sprechen, geschweige denn lesen. Also nimmt man sich die Übersetzung vor und liest: „Heute verlieren Sie Ihren Regenschirm.“ Toll, das ist weder Glück noch eine Weisheit, sondern eine sehr gewagte Vorhersage. Als Übersetzerin werde ich oft gebeten, nicht so steif zu übersetzen und ich könne mir Freiraum lassen, offensichtlich übertreiben es einige Kollegen jedoch damit.

Wer hat die Glückskekse erfunden – die Chinesen oder die Japaner?

Glückskekse kommen tatsächlich aus Kalifornien, aber wer der Erfinder ist, oder aus welcher Stadt sie wirklich stammen, wird bis heute diskutiert. Zwei Legenden zu ihrer Erfindung haben sich bis heute durchgesetzt.

Eine Geschichte erzählt, dass David Jung, ein chinesischer Immigrant, die Kekse im Jahr 1918 erfunden hat. Jung war Geschäftsmann in Los Angeles und er machte sich Sorgen um die Armen, die täglich an seinem Geschäft vorbei liefen. Um auch den weniger Glücklichen ein bisschen Hoffnung zu verschaffen, ließ er motivierende Bibelstellen auf ein Stück Papier schreiben und steckte diese in die Kekse, welche er von nun an verschenkte.

An anderer Stelle wird berichtet, dass die Glückskekse in San Francisco erfunden wurden, von einem japanischen Einwanderer namens Makoto Hagiwara. Der Designer des japanischen Gartens im Golden Gate Park wurde der Geschichte nach von einem japanfeindlichen Bürgermeister entlassen. Einige Zeit später bekam Hagiwara seine Stelle als Gärtner wieder. Zum Dank an alle, die ihn unterstützt hatten, erfand er 1914 die Glückskekse, welche damals noch Danksagungen enthielten. 1915 gelangten sie dann auf der Panama-Pazifik-Weltausstellung in San Francisco zu Ruhm.

Letzte Geschichte wird als wahrscheinlicher betrachtet, da schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts in der japanischen Literatur von tsujiura senbei, von Glückskeksen, die Rede war.

Von Konfuzius bis hin zu Smileys – das Glück der Glückskekse

 Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in jedem chinesischen Restaurant in Amerika einen Glückskeks zum Dessert. Wurde eine Nachspeise in der chinesischen Küche oft von amerikanischen Gästen vermisst, bekamen sie nun etwas Besonderes mit einem mystischen Flair. Anfangs enthielten die Kekse Bibelstellen oder Zitate von Konfuzius, Aesop oder Benjamin Franklin. Später folgten angebliche Glückszahlen für die Lotterie, Smileys und Witze. Die modernen Glückskekse enthalten motivierende und inspirierende Sprüche sowie nachdenklich stimmende Lebensweisheiten.

So unklar wie ihre Herkunft sind teils auch die Übersetzungen in Glückskeksen. Diese sorgen jedoch, wenn auch nicht das perfekte Glück gezogen wurde, immer für Verwirrung und einige Lacher zum Dessert. Guten Appetit!

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