Nicht blind in die Maschinelle Übersetzung stolpern!

Nicht blind in die Maschinelle Übersetzung stolpern!

Maschinelle Übersetzung (MÜ) scheint genial: Phantastische Übersetzungsresultate stehen Dank neuronaler MÜ allen zur Verfügung – schnell, unkompliziert und scheinbar kostenlos! Aus diesem Grund stürzen sich Unternehmen geradezu auf das Thema Maschinelle Übersetzung (MÜ). Allerdings nicht immer mit einer Strategie, wie, warum und mit welchem Nutzen sie Maschinelle Übersetzung einsetzen wollen.



Ohne Ziele, kein Erfolg

In vielen Unternehmen fordern IT-Abteilung oder Geschäftsleitung den sofortigen Einsatz Maschineller Übersetzung. Die Erwartungshaltung ist klar: Endlich werden sämtliche Ressourcenprobleme in der Übersetzungsabteilung gelöst und jeglicher Content schnell und vor allem günstig übersetzt. So glaubt man.

Experten wissen, dass dies nicht immer der Fall ist. Vor allem dann nicht, wenn die Einführung von MÜ ohne fachliche Expertise angegangen wird. Dabei können mit dem Einsatz von MÜ durchaus große Ziele erreicht werden. Diese müssen allerdings erst einmal spezifiziert und idealerweise in die globale Sprachstrategie eines Unternehmens eingebettet werden.

Es ist eine Binsenweisheit, wird aber oft vergessen: Wenn ich mir keine Ziele setze, woher weiß ich dann, ob und wann ich sie erreicht habe?

Wie also geht MÜ-Strategie?

Eigentlich so, wie jede Strategiearbeit ????: Das Ziel sowie den Weg dahin beschreiben und die Zielerreichung messbar machen:

  1. Wo will ich hin?
  2. Wie will ich das schaffen?
  3. Wann will ich da sein?
  4. Was will ich dann vorliegen haben?

Aber erst mal auf Anfang: Grundsätzlich sollte die Maschinelle Übersetzung Teil der Sprachstrategie eines Unternehmens sein. Und die Ergebnisse des MÜ-Einsatzes sollten auf die übergeordneten strategischen Ziele des Unternehmens einzahlen.

#Was meinen wir damit? Wenn ein Unternehmen das strategische Ziel verfolgt, sich international breiter aufstellen zu wollen, also mehr Märkte zu erobern, dann sollte die Sprachstrategie das berücksichtigen: Onboarding neuer Sprachen, Anstieg des Übersetzungsvolumens, straffes Time-to-Market usw. Hierbei kann der Einsatz von MÜ eine strategisch wichtige Rolle spielen. Die Einführung Maschineller Übersetzung zur Eroberung neuer Märkte ist dann das wesentliche Instrument für die Erreichung dieses strategischen Ziels.

Sprachstrategie und Kernfragen

Darüber hinaus ist wichtig, sicherzustellen, dass Maschinelle Übersetzung harmonisch und effizient in die globale Sprachstrategie eines Unternehmens und in bestehende Übersetzungs- und Dokumentationsprozesse eingebettet werden kann. Um also zu entscheiden, ob und wie das Thema Maschinelle Übersetzung angegangen werden soll, gibt es Kernfragen, die sich ein Unternehmen stellen sollte:

  • Habe ich Experten inhouse, die das Thema begleiten und umsetzen können? Oder brauche ich externe Expertise?
  • Habe ich ausreichend eigene Daten, die das trainieren und spezifizieren eigener MÜ-Engines erlauben? Oder muss ich Daten hinzukaufen bzw. mich auf Base-Engines verlassen?
  • Dürfen meine Daten in die Cloud?
  • Sind meine (externen) Übersetzer bereit für Post-Editing? Oder muss ich nach Post-Editoren Ausschau halten?
  • Wie soll mein Übersetzungsprozess mit MÜ aussehen? Habe ich ein CAT-Tool, brauche ich eins?
  • Lohnt sich die Maschinelle Übersetzung finanziell für mein Unternehmen? Wie sieht mein Business Case aus?

Es kann durchaus sein, dass sich nach der Beantwortung der Kernfragen herausstellt: Maschinelle Übersetzung ist gar nicht der richtige Weg, um die strategischen Ziele zu erreichen. Sei es, weil im Unternehmen zu kleine Volumina vorliegen, die Texte sich für die MÜ nicht eignen oder so ‚geheim‘ sind, dass Cloud-Lösungen sich verbieten und on-premises Lösungen zu teuer sind.

In manchen Fällen können die gesetzten Ziele mit einem verlässlichen LSP oder dem eigenen CAT-Tool und Übersetzern effizienter erreicht werden. Aber genau das weiß man erst, wenn man sich im Vorfeld detailliert mit diesen Themen auseinander gesetzt hat. Die Zeit für strategische Arbeit ist also sehr gut investierte Zeit. Nur so kann sichergestellt werden, dass Ressourcen und Energie in die richtigen Themen fließen.

Last but not least

Leider gibt es sie nicht, „die eine MÜ-Strategie“ für alle. Wie bei allen guten Dingen gibt es viele strategische Möglichkeiten, abhängig vom Unternehmen und den vorliegenden Daten, Systemen und Prozessen. Um uns nicht in diesen Möglichkeiten zu verlieren, brauchen wir eine Strategie. Sie ist unser Boot, mit dem wir sicher in die richtige Richtung segeln.

Aber die Entscheidungsfindung muss gar nicht aufwändig sein: Schon ein Hands-On Strategie-Workshop, eine schnelle Datenanalyse oder das Rechnen eines Business Cases kann zur Entscheidungsfindung beitragen. Und den strategisch richtigen Weg weisen!

Wir können Ihnen gerne dabei helfen!

Startbild: Kunsthistorisches Museum Wien, Pieter Bruegel d.Ä., der Turmbau zu Babel

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